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Die Futterrevolution - "kaltgepresst"

Es ist nicht immer das wonach es auf den ersten Hinblick scheint. Viele Hundebesitzer assoziieren das Wort "kaltgepresst" aus der Herstellung von Pflanzenölen. Was bedeutet "kaltgepresst" in der Futtermittelherstellung wirklich?

Der Begriff ,,Kaltgepresst" stammt aus der Herstellung von Pflanzenölen. Bei der Hundefutterherstellung mit Kaltpressung ist die Pelletierung gemeint. Vorbehandelte Rohstoffe werden nach kurzer Zugabe von etwas Dampf durch eine Matrize gepresst. Hitze entsteht hier in erster Linie durch Reibung. Die Temperaturen bei der Pressung selbst liegen bei 70-80°C. Die verwendeten Rohstoffe (Fleischmehle) wurden bereits vorher auf 90°C bis um die 100°C erhitzt.
Bei der Erhitzung werden Keime abgetötet. Bei kaltgepresstem Futter ist dies nur teilweise der Fall.
Daher sind sie niemals so hygienisch wie extrudierte Futter.

Kalt gepresste bzw. nicht tyndallisierte (tyndallisiert= sterilisieren, haltbarmachen, konservieren von Arznei- und Nahrungsmitteln) Futtermittel sind u. U. kontaminierte (verunreinigte) Futtermittel und sind in empfindlichen Hygienebereichen auszuschließen. Das gilt insbesondere in intensivmedizinischen / intensivklinischen Bereichen und auf onkologischen Stationen. Ähnliche Vorgaben finden wir aber auch im Bereich der Betreuung und Behandlung von jungen und älteren Tieren.

Kaltgepresste Futtermittel sind ein gewisser Hygienerückschritt in der Zubereitungsevolution, dessen muss man sich im Klaren sein! Gefahren bestehen in der Verabreichung für immunologisch supprimierte PatientInnen und bereits infizierte und damit immunologisch vorbelasteten Patientengruppen.
Ebenso hoch ist die Gefahr für Jungtiere und ältere Hundepatienten, die im Neoplasie-Sektor (gut-/ bösartige Gewebebildungen) behandelt werden bzw. Hundepatienten, die mit dem Wirkstoff Cortison oder einem Derivat behandelt werden.

Übertragene Infektionen von Futtermittelmilben sind derzeit nicht bekannt, wahrscheinlicher sind allerdings vektorielle Infektionen mit Bandwurm-Larven, Flaviviren und coliformen Keimen bzw. Salmonella spp.

Vorteile der "Kaltpressung" - niedrigere Produktionskosten!
Da bei Herstellung der Wasseranteil nicht nennenswert erhöht wird, entfällt die kostenintensive Trocknung. Beim Pressen werden Kohlehydrate nicht oder nur unzureichend aufgeschlossen. Gepresste Futtersorten weisen daher meist eine deutlich geringere Verdaulichkeit gegenüber anderen Fertigfuttern auf.  Die Kotmenge sowie die Häufigkeit des Kotabsatzes ist stark erhöht. Um das Phänomen nicht zu extrem ausfallen zu lassen, werden oft vorextrudierte Kohlehydrate eingesetzt.

Der Hersteller ist gesetzlich nur verpflichtet, darauf hinzuweisen, WIE das Futtermittel entstanden bzw. gewonnen worden ist, also "kaltgepresst"; weitere Angaben bzw. Warnungen sind NICHT erforderlich. Es muss allerdings ein Allergie-Hinweis erfolgen.

Fazit:
"Es ist nicht alles Gold, was auf der Verpackung steht!" ... wie in jedem Bereich ist auch die Marketingstrategie und der wirtschaftliche Aspekt in der Futtermittelindustrie und des Futtermittelvertriebs hoch vertreten.
Meine Meinung: Kaltgepresstes Hundefutter ist nicht für jeden Hundeorganismus geeignet.

Extrusion
Die Rohstoffmischung unter Zusatz von Wasser wird zu einer Masse geformt und bei 120°C
unter Dampfdruck gegart. Dies schließt jegliches Risiko für bakterielle oder virale
Verunreinigungen aus und sorgt für einen guten Stärkeaufschluss.

Vektor =  (lat. vector „Reisender“, „Träger“) oder Krankheitsüberträger
ist in der Biologie und der Medizin ganz allgemein ein Überträger von Krankheitserregern, die Infektionskrankheiten auslösen.

Derivat = Abkömmling, Abwandlung zB. Medikament

Blutderivat =
ein aus Vollblut(konserven) gesunder Blutspender hergestelltes Präparat für den Ersatz spezieller Blutbestandteile, z.B. als Plasma-, Serumkonserve, Erythro-, Leuko-, Thrombozytenkonzentrat.

 


Quelle: Unterlagen Hundeernährungsstudium 2016